Italienische Renaissance

Während die gotische Kleidung in Burgund Ende des 15. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreicht, entwickelt sich zeitgleich in Italien die Renaissance. In Florenz, beherrscht von der unermesslich reichen Medici-Familie, entfaltet sich die Kunst ebenso wie in Venedig und Urbino. Wissenschaftler und Künstler beginnen Mensch und Natur zu beobachten und darzustellen, so dass eine neue realistische Kunst entsteht. Kleidung wird zum Ausdruck der menschlichen Persönlichkeit, des individuellen Geschmacks und der Bildung.

Auf der Antike aufbauend, wird auf eine harmonische Übereinstimmung aller Teile geachtet. Gleichzeitig wird Wert darauf gelegt, dass die Gewänder nicht die Bewegungsfreiheit einschränken. Die Stoffe bleiben weiterhin prächtig und kostbar. Die italienische Seidenweberei entfaltet sich mehr und mehr; es werden aufwendigste, mit Gold und Silber durchwirkte und mit orientalischem Muster versehende Brokate und Samte hergestellt.

In der Männerkleidung dominiert das Wams, das zumeist in tiefe Röhrenfaltengelegt ist und häufig sehr weite bauschige Ärmel besitzt.

Bauschige Aermel 1RoerenfaltenBauschige Aermel 2

Dazu trägt der Herr eine Tricothose und  über dem  ganzen das wohl typischste Kleidungsstück der italienischen Renaissance: die Zimarra, ein vorn offenes, meist mit einem Verschluss versehenes mantelähnliches Übergewand. Sie ist stets gefüttert und häufig mit Pelz verbrämt.

TricothoseZimarra

Die Kopfbedeckungen sind vielfältig und reichen von der schlichten Kappe bis zum ausladenden Barett.

KappeBarett

In der Frauenkleidung vollzieht sich beim Zuschnitt die endgültige Trennung von Rock und Mieder, d.h. das - zumeist geschnürte - Mieder wird mit dem - zumeist sehr weiten - Rock mittels Naht verbunden, die Taille ist nach oben gerutscht.

Taille

Auf die Schleppe wird vollends verzichtet, häufig auch auf Ärmel, die stattdessen separat an der Schulter, bisweilen auch am Ellbogen, angenestelt werden, so dass der weite bauschige Ärmel des Untergewandes sichtbar wird

Ärmel  Untergewand

Die Austauschmöglichkeit der Ärmel hat zur Folge, dass zu jedem Kleidungsstück mehrere Ärmel gehören, auf deren Ausstattung größter Wert gelegt wird. Ein gewisser Ulrich von Lichtenstein z.B. besaß davon 30 Paar. Je weiter die Renaissance in Italien fortschreitet, desto weiter werden auch die Ärmel, die später in der Mitte offen sind und geknöpft werden.

Ärmel offen

Die Obergewänder der Frauen sind vorn, teilweise an den Seiten aufgeschnitten, so dass sie - ähnlich wie in der Männerkleidung - ein mantelartiges Gewand bilden und die Pracht des Unterkleides sichtbar lassen.

Mantelartiges Gewand

Als Kopfbedeckung setzt sich das Barettauch in der Frauenmode durch, daneben trägt man Haarnetze, Girlanden und Schleier.

HaarnetzGirlandenSchleier

Eine besondere Rolle in der Renaissancemode spielt die Kleidung der Landsknechte: schrill, bunt, eng und vor allem über und über geschlitzt

Landsknecht

Die Erfindung der sogenannten Schlitzmode, die für die Renaissance so typisch ist, führt man auf sie zurück. Waren es anfangs nur die Ärmel, die an den Gelenken, vor allem den Ellbogen, aus Bequemlichkeitsgründen aufgeschlitzt wurden, so greifen die Schlitze bald auf alle Teile der Kleidung über und werden zu einem rein dekorativen Schmuckelement. Im 16. Jahrhundert erlebt diese Mode in Deutschland eine wahre Blüte.

 

Deutsche Renaissance

 

 

Die Renaissance beginnt in Deutschland um 1510, zu einem Zeitpunkt, als sie in Italien schon langsam wieder ihrem Ende entgegengeht. Parallel zur Reformation der Kirche findet eine Reformation in der Kleidung statt. Ähnlich wie in Italien wird auf Übereinstimmung von Proportion und Funktion geachtet, wobei eine Prachtentfaltung wie in Italien im zersplitterten, von Kriegswirren heimgesuchten Deutschland nicht möglich ist. Samt und Seide sind derart teuer, dass z.B. eine schwäbische Edelfrau ein ganzes Dorf verkaufen muss, um sich für ein Fest das gewünschte blaue Samtkleid kaufen zu können.

 

In der Männerkleidung ist das wohl charakteristischste Kleidungsstück die Schaube,die sich aus dem mantelartigen Oberröcken des 15. Jahrhunderts entwickelte und eine größere Stofffülle, einen oft bis über die Schulter reichenden Kragen und weite bauschige Ärmel enthält, so dass sie ähnlich wie die italienische Zimarra zu einem ebenso repräsentativen wie bequemen Kleidungsstück wird.

Schaube 1Schaube 2

Die Ärmel besitzen in Höhe der Ellbogen oft noch eine zweite Öffnung, durch die man die Arme steckt, während der untere Teil der Schaubenärmel leer herabfällt. Diese Ärmelform ist bereits aus dem Mittelalter bekannt. Wie alle Teile der Kleidung gibt auch das Wamsseine übermäßige Enge auf. Wichtigster Teil ist der Ärmel: gebauscht, gepufft, geschlitzt, bestickt und mit den vielfältigsten Verzierungen versehen, ist er das Lieblingsstück der Mode dieser Jahrzehnte. Die Hose zeigt in der Ausgestaltung die gleiche Mannigfaltigkeit wie die Wamsärmel.

Wams

Als Kopfbedeckung erfreut sich das Barettderartiger Beliebtheit, dass es fast alle anderen Kopfbedeckungen verdrängt.Bei freudigen Anlässen hält man am Schapel - dem echten oder künstlichen Kranz - fest.

BarettSchapel

Die Frauenkleidung nimmt in diesen Jahrzehnten so sehr die Männermode zum Vorbild, dass über sie - abgesehen von ihren spezifischen Formen - bereits das Wichtigste gesagt ist. Kleidungsstücke wie Barett und Schaube gleichen sich vollständig. Auch die Frauenkleidung wird bequemer, die Taille ist nicht mehr so eng wie in der mittelalterlichen Mode, die Schleppe verschwindet gänzlich, Rock und Mieder sind voneinander getrennt, wobei vielfach ein Gürtel zwischen beiden Teilen vermittelt.

Auch die Kleiderärmel gleichen im wesentlichen denen des Wamses, sind bisweilen jedoch so lang, dass sie bis über die Finger reichen.

Kleideraermel

Als Übergewand wird auch von Frauen die Schaube getragen, die bis zu den Füßen reicht und die statt der Ärmel häufig nur Schlitze besitzt. Für den Kirchgang zwingend erforderlich ist die Heuke, ein faltenreicher Mantel, ähnlich dem des 15. Jahrhunderts

SchaubeHeuke

Neben den langen Übergewändern wird ein großer Goller oder Koller genannter Kragen modern, mit dem großer Luxus getrieben wird: fürstliche Frauen lassen ihn aus Goldstoff herstellen und mit Hermelin besetzen, und Bürgerinnen statten ihn so reich wie möglich mit Perlen und Stickereien aus. Als Kopfbedeckung trägt man neben Netzen und Hauben das Barett, das auch in der Form dem des Männerbaretts entspricht, nur dass die Frauen darunter noch häufig die Calotte tragen, an der das Barett festgesteckt ist.

GollerHaubeBarett

 

 

 

 

 

 

Kostümbeispiele aus unserer Werkstatt

 

 

 

Kostuem_dunkelblau_damast

Zeit: ca. 1500, Italien
Material: Damast, Seide, Brokatborte
Charakteristika: typisch für historische Kleider der italienischen Renaissance ist die hochgesetzte Taille, ein schulterfreies Dekolleté, sehr weite Unterärmel, an der Schulter und am Ellbogen angenestelte 2-teilige, reich mit Metall- und Samtborten verzierte enge Oberärmel, und ein weiter, vorn offener Rock
 
Preisgruppe: E

Renaissance-Kostüm_aubergineKostuem_rot_orange

Modell in aubergine aus Brokat, Seide, Metallborte
Modell in rot-orange aus Batist mit eingewebten Goldornamenten, Seide, Metallborte

 

 

 

 

Renaissance_Kostuem_Veneziano_vorn Renaissance_Kostuem_Veneziano_hintenRenaissance_Kostuem_Veneziano_SeitlichRenaissance_Kostuem_Veneziano_StoffdetailRenaissance_Kostuem_Veneziano_GemäldeRenaissance_Kostuem_Veneziano_KopfbedeckungIn_Aktion

Zeit: 1440, Italien
Material: Brokatsamt, Seidenbrokat für die Einfassungen, Samt, Seide

Charakteristika: Wams der italienischen Frührenaissance nach dem Gemälde "Anbetung der Könige" von Domenico Veneziano, typisch für diese Zeit ist die Art der Röhren-Faltenlegung, die im Brustbereich beginnt und im seidenverbrämten Saum ausläuft, die gebauschten Oberärmel sind im Vorderbereich mit einem Schlitz versehen sowie am Handgelenk mit einem Bündchen, so dass sie der jeweiligen Temperatur entsprechend getragen werden können, das Muster - ein stilisiertes Granatapfelmotiv - ist ebenfalls typisch für das Quattrocento, die gewebten Motive in zwei unterschiedlichen Goldtönen wirken durch die Webart wie aufgestickt, der Gürtel wurde handbestickt.
Die Kopfbedeckung aus Samt und Pelz* wurde einer Zeichnung aus derselben Epoche entnommen
Das Kostüm ist eine Auftragsarbeit für ein Mitglied eines Wiener Tanzensembles für historischen Tanz

 

 

 

 

Renaissance-Kostuem_Stockhausen_vorne

Zeit: Italien, 15. Jahrhundert
Materialien: Seidensamt, Seidenorganza, Metallgitter, Metallborten
 
Kostüm der italienischen Renaissance, gefertigt für die Uraufführung eines Werkes von Karlheinz Stockhausen am 11. Juli 2007.
Das Kostüm ist für die 5. Stunde des Zyklus KLANG bestimmt, der 24 Stunden des Tages beinhaltet.  Jede Stunde hat eine eigene Farbe.
Das Blau des Kleides wurde uns exakt vorgegeben (HKS 50 K Blau).
Wir haben für die Ausfertigung einen Seidensamt einfärben lassen, ergänzt durch zarten Seidenorganza. Das am Mieder und den Oberärmeln aufgelegte antik-goldene Metallgitter steigert den Farbton nochmals. Gitterartige Überlagerungen waren in der Renaissance sehr beliebt, gut zu erkennen z.B. am Gewand, das Beatrice d’ Este auf ihrem Grabmal aus dem Jahr 1497 darstellt. Die Ärmel sind abnehm- und austauschbar, sie können einzeln getragen oder gänzlich weggelassen werden.
Das Kostüm wird, wie zur Renaissance häufig üblich, mit seitlichen (handgefertigten) Schnürungen geschlossen.
 
Preisgruppe: E

 Renaissance-Kostuem_Stockhausen_vorne_offenRenaissance-Kostuem_Stockhausen_seiteRenaissance-Kostuem_Stockhausen_hintenRenaissance-Kostuem_Stockhausen_vorne_detailRenaissance-Kostuem_Stockhausen_GrabvorlageRenaissance_kostüm_Stockhausen_Uraufführung

 

 

 

 

Kostuem_hellgruen Kostüm_Renaissance_HimmelblauKostuem_samt_rot

 
Zeit: ca. 1500, Italien
Material: Mischgewebe mit eingewebten Goldornamenten, Seide, Metallborte
Charakteristika: hochgesetzte Taille, sehr weite Unterärmel, an der Schulter und am Ellbogen angenestelte zweiteilige mit Metallborten reich verzierte enge Oberärmel, weiter, vorn offener Rock
 
 
Preisgruppe: D
 
 
Modell in blau aus Batist mit eingewebten Goldornamenten, Seide, Metallborte
Modell in aubergine aus Seidensamt, Seide, Metallborte

 

 

 

 

Kostüm_Hl_Cäcilia

Zeit: ca. 1510
Material: Seide, Samt
Charakteristika: Kostüm nach einem Gemälde von Raphael “Die heilige Cäcilia” (Cäcilia ist die Schutzpatronin der Musik), Unterkleid aus Dupion-Seide, mittlere Weite, Saum goldfarbig abgesetzt, Oberkleid aus gemusterter Seide mit perlenverziertem Samtkragen und antikem Schmuckteil, Samtgürtel zur lockeren Schnürung oberhalb der Taille, weite in Falten gelegte Oberärmel, wahlweise mit angenesteltem Ärmelhalter
 
Preisgruppe: F

 

 

 

 

Karo_Bube_Gesamt Karo_Bube_ohne_UmhangKaro_Bube_UmhangKaro_Bube_BarettKaro_Bube_Wams_vorneKaro_Bube_Wams_hintenKaro_Bube_Wams_seiteKaro_Bube_DetailKaro_Bube_Spielkarte

Zeit: Anlehnung an die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts (komplett nach Kundenwunsch gefertigt)

Materialien: Seide, Schurwolle, Kaschmir, Leinen, Webpelz, antike Metallborten, “Edelsteine”

Charakteristika: Renaissancekostüm auf der Grundlage der Spielkarte des Karo-Buben, Doublet bzw. Wams aus blauer Seide mit Leinenfütterung, Faltenlegung, rundgeschnittene Ärmel mit Epauletten, aufgesetzte ”Smaragde” und ”Saphire” im Vorder- und Rückenteil, vordere Schnürung, gepolsterte Seidenhose mit Leinenfütterung, aufgesetzte geschlitzte Bänder, verdeckte Haken zur Befestigung am Wams,sogenannte “Puffjacke” in Kastenform aus Wolle mit Leinenfütterung, geschlitzte Oberärmel, Rotfuchs*-Verbrämung, ½-Kreis-Umhang aus Wolle, antike Spange zur Befestigung an der Jacke, auf den Rücken aufgesticktes Wappentier, Barett mit Straußenfeder und aufgesetzten “Topassteinen”

Preisgruppe H

 

 

 

* gemeint ist hochwertiger Kunstpelz
(siehe auch Firmenphilosophie)